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Grün und Recyclingweltmeister: Die Verpackung

Verpacken lohnt sich. Auch unter Umweltaspekten, denn die Verpackung schützt mit einem geringen Aufwand große Werte. Kaufen wir zum Beispiel im Supermarkt Lebensmittel, so stecken 90% der ökologischen Belastungen im Produkt und nur 10% in der Verpackung. Verdirbt die Nahrung, ist der Schaden also viel größer, als wenn wir sie mit einer Verpackung schützen.

Noch deutlicher fällt der Vergleich bei hochkomplexen Waren wie zum Beispiel Smartphones aus. Wenn die Verpackung dafür sorgt, dass unsere Güter auf dem Weg zu uns keinen Schaden nehmen, macht sie auch ökologisch einen sehr guten Job.

Grün ist die Verpackung auch dort, wo sie die Umwelt vor Giften und Gefahrstoffen schützt. Wie sollten wir Chemikalien, Motoröl oder Industrieabfälle ohne Verpackung sicher transportieren und lagern? Antibiotika ist dort gut, wo es gebraucht wird, nicht im Grundwasser.

Immer mehr mit immer weniger

Was zählt ist der bewusste Umgang mit unseren Ressourcen und Wertstoffen. Die Verpackung übernimmt hier Verantwortung. Sie ist ein Hightech-Produkte, das mit immer geringerem Energie- und Materialaufwand immer mehr leistet.

So brauchen wir für die Herstellung von Behälterglas heute nur noch 40% der Energie, die Anfang der 60er Jahre nötig war. Aus der gleichen Menge Holz produziert die Verpackungswirtschaft heute bis zu 80% mehr Karton als noch vor 30 Jahren. Eine Getränkedose war Mitte der 50er viermal so schwer wie heute, eine Bierflasche dreimal. Das Gewicht einer PET-Flasche hat sich in den letzten Jahrzehnten um mehr als 50% verringert.

Hat mehr als ein Leben!

In Deutschland wurden 2013 über 15 Millionen Tonnen Verpackungen verbraucht. Fast 97% davon wurden der Verwertung zugeführt. Die Recyclingquote lag bei 80,9%. Das bedeutet, dass wir heute schon 4 von 5 Verpackungen stofflich wiederverwerten. Und das ist nicht das Ende der Fahnenstange.

Beim Recycling wird die Verpackung zu einem Wertstoff, der seinerseits zum Ausgangspunkt für neue Produkte wird. Das kann ein Fleece-Pullover sein oder ein Autositz. Oder erneut eine Verpackung. 48% der Verpackungen fließen direkt zurück in den Kreislauf und werden als Verpackung wiedergeboren.

In einem prämierten You-Tube-Film zeigt das Recyclingunternehmen Reclay am Beispiel einer Kunststofftube, wie Recycling funktioniert. (Reclay / Nachhaltigkeit braucht Vordenker).

Im Gegensatz zu vielen anderen Industrieprodukten ist die Verpackung mehrweg- und recyclingfähig. Das sollten wir nutzen. Die Verpackung hat mehr als ein Leben – wenn wir es ihr geben!

Recycling-Bilanz für Verpackungen (Quelle. GVM)

Pionier der Kreislaufwirtschaft

Insgesamt machen Verpackungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 4% des gesamten Abfalls aus. Ihr Anteil am gesamten CO2-Fußabdruck beträgt circa 1%. Trotz der vergleichsweise geringen Werte übernimmt die Verpackung in Umweltfragen oft die Funktion eines Pioniers.

Mit der deutschen Verpackungsverordnung schuf der deutsche Umweltminister Klaus Töpfer 1991 einen gesetzlicher Rahmen, um das Aufkommen an Verpackungsmüll zu reduzieren und einen Trend gegen die Wegwerfgesellschaft zu setzten. Zusammen mit der EG-Verpackungsrichtlinie von 1994 legte die Verpackungsverordnung den Grundstein für eine Kreislaufwirtschaft und die Entstehung von Produktverantwortung.

In Österreich trat hierzu 1993 die Verordnung über die Vermeidung von Verpackungsabfällen in Kraft, die nach dem EU-Beitritt 1995 angepasst wurde. In der Schweiz gibt es keine generelle Verpackungsverordnung, aber Vorschriften, die sich auf spezielle Verpackungsarten oder -eigenschaften beziehen.

Business Case

„Einer denkt es sich aus, einer produziert es, einer verkauft es, einer verbraucht es - und niemand denkt an das, was übrig bleibt. Aber so funktioniert das nicht. Natürlich stellte die Idee einer Kreislaufwirtschaft Anfang der 90er Jahre etablierte Markt- und Businessmodelle in Frage - und die Reaktion war entsprechend. Inzwischen ist die Kreislaufwirtschaft ein Exportschlager geworden. Sie schafft neue Marktsegmente und einen neuen Wettbewerb. Heute streiten sich alle um diese sogenannten „Abfälle“. Es ist ein neues Business Case geworden.“ (Prof. Dr. Klaus Töpfer)

Der „Umwelttechnologie-Atlas“ des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sagt voraus, dass im Jahr 2025 mit Leistungen der Abfallwirtschaft weltweit rund 170 Milliarden Euro umgesetzt werden. Im Jahr 2013 waren es bereits 102 Milliarden Euro.

Ökobilanz und Materialien

Das Bundesamt für Umwelt in Bern (Schweiz) hat in einer Ökobilanzstudie für Getränkeverpackungen festgestellt, dass es keine Materialien gibt, die zwangsläufig eine schlechte Ökobilanz besitzen. Es gibt also nicht die eine Verpackung, die für alle Produkttypen und Anwendungen gleichermaßen geeignet ist. Auch Art und Ort des Konsums, Transportwege oder die eingesetzte Energie bei der Produktion beeinflussen die Ökobilanz.

Zur Ökobilanz zählt auch unser eigenes Verhalten. So sollte der Einkauf möglichst effizient gestaltet sein. So müssten bei einer Einkaufsfahrt mit dem Auto von 10 km mindestens 50 Liter Mineralwasser in PET-Flaschen oder Mehrweg-Glasflaschen eingekauft werden, damit die Umweltbelastung des Einkaufs nicht höher ist als die Belastung bei der Produktion.

Ein relativ junges Material sind Bio-Kunststoffe. Man unterscheidet hier in biologisch abbaubare Kunststoffe und biobasierte Kunststoffe; d.h. Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Zuckerrohr oder Mais. Bio-Kunststoff wird unter anderem für Flaschen, Becher, Folien oder als Füllmaterial in Kartons eingesetzt. Laut einer Studie wächst der Einsatz von Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen in Europa jährlich um 12%.

Innovationen

Um den steigenden Ansprüchen und Anforderungen an die Verpackung gerecht zu werden, arbeiten Entwickler, Forscher und Designer aus der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackung permanent an Innovationen.

Zertifizierte Rohstoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung, biologisch abbaubare Kunststoffe, aktive Schutzatmosphären für verlängerte Haltbarkeit, neue Techniken für optimale Wiederverschließbarkeit, Mehrwegsysteme, Hightech-Sortieranlagen für das Recycling oder energieeffiziente Maschinen und Systeme sind nur einige der Forschungsfelder für eine immer bessere Ökobilanz. Aber auch scheinbar einfache Lösungen zählen dazu, wie der Nachfüllbeutel, mit dem sich bis zu 97% Gewicht und Material sparen lassen.

Damit möglichst wenig von dem kostbaren Inhalt verloren geht, sollte die Verpackung neben ihrer Schutzfunktion eine weitere, gute Eigenschaft haben: Sie sollte sich möglichst komplett leeren lassen.

Mehrwegsysteme

Die Mehrwegverpackung reduziert den Verpackungsabfall, da sie mehrfach genutzt werden kann. Dafür müssen diese Verpackungen stabiler konstruiert sein, was oft einen höheren Materialeinsatz voraussetzt. Mehrwegverpackungen werden nach der Rückgabe abgeholt, gereinigt und kontrolliert. Das höhere Gewicht, der mehrfache Transport und der Energie- und Wasserverbrauch für die Reinigung stehen auf der Negativseite der Ökobilanz. Der zusätzliche Aufwand wird durch hohe Umlaufzahlen kompensiert.

Typische Mehrwegverpackungen sind Holzpaletten, Getränkekästen oder -flaschen aus Glas oder PET, Fässer, Gitterboxpaletten, Getränkeflaschen und Obst-und Gemüsesteigen.

Mehrweg-Glas-Flaschen können durchschnittlich 50 Mal wieder verwendet werden, Mehrweg-PET-Flaschen 15-25 Mal, ein Getränkekasten rund 100 Mal.

In Deutschland sind rund 60 Mio. Mehrweg-Steigen für Obst-und -Gemüse im Einsatz. Zu den Mehrwegsystemen gehören auch Kisten für den Fleischtransport. Davon sind in Deutschland rund 100 Millionen im Umlauf.

Link: Studie „Bundesweite Erhebung von Daten zur Abfüllung von Getränken in Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen“ des Umweltbundesamtes (2011).

Nachhaltigkeit

Mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird der rein ökologische Gedanken des Umweltschutzes deutlich ausgeweitet. Neben dem Material werden auch Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse, eingesetzte Energien und Prozesse sowie soziale Aspekte kritisch durchleuchtet und optimiert.

Innerhalb der Verpackungswirtschaft wird das Thema Nachhaltigkeit als der wichtigste Antreiber und Einflussfaktor für die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren gesehen.

Studien sagen, dass Nachhaltigkeit bei Verpackungen für jeden zweiten Verbraucher eine wichtige Rolle spielt.

Upcycling

Credit/Quelle: Foto: Sandra Voß; raincoat in used cat food packaging by ART D'ECO & DESIGN

Alternativ zum Recycling hat sich das Prinzip des Upcycling eine Nische erobert. Während beim Recycling Einweg-PET-Flaschen zu Kleidungsstücken oder Autositzen verarbeitet werden, verarbeitet das Upcycling alte Verpackungen zu neuwertigen Produkten. Die Palette der kreativen Ideen reicht von Möbeln aus Paletten und Frisbee-Scheiben aus Kunststoffbehältern bis hin zu Booten aus PET-Flaschen und Mode aus Lebensmittelverpackungen, wie sie die bretonische Designerin Katell Gélébart zeigt (Galerie / Video)..

Weitere Upcycling-Links:

Upcycling als individueller Design-Trend (Video)

Boot aus PET-Flaschen

Upcycling-Designs aus Verpackungen (Shop)

Aus Alt wird Anders – 80 kreative Upcycling-Ideen

Ozeane und Verantwortung

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat es jeder Bürger selbst in der Hand, ob seine Verpackung im Straßengraben landet oder ob sie recycelt wird. Anders ist die Situation in Ländern, in denen es kein funktionierendes Recycling- und Mehrwegsystem gibt. Dort landet die Verpackung im besten Fall in einer Verbrennungsanlage, im schlechtesten Fall aber im Meer, wo sie für Flora und Fauna eine Gefahr darstellt.

Nach Angaben des „Project Blue Sea“ machen Verpackungen bei der Interaktion von Meeresorganismen mit marinen Abfällen weltweit einen Anteil von 10% aus. 57% stammen von Tauen und Netzen, 11% von Bruchstücken, 8% von anderen Fischereiüberresten und 6% von Mikroplastik.

Weil das Nichtverpacken keine Alternative ist, müssen wir uns darum kümmern, dass unsere Verpackungen nach ihrer Nutzung nicht zum Problem werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Industrieprodukten ist die Verpackung mehrweg- und recyclingfähig. Das sollten wir nutzen. Die Verpackung hat mehr als ein Leben – wenn wir es ihr geben.

Links

Recycling nach dem Vorbild der Natur

Einen grundlegenden Ansatz über die Nische hinaus versucht das Prinzip von Cradle-to-Cradle. Dabei werden Produkte von Anfang an so konzipiert, dass sie komplett in technische bzw. biologische Kreisläufe zurückgehen können. Ein Recyclingsystem nach dem Vorbild der Natur, bei dem es Abfall, so die Idee, gar nicht mehr gibt.

PDF zum Thema Cradle-to-Cradle und Verpackung

Interview: Eine Welt ohne Abfall

Second Life: Das zweite Leben von Getränkekartons

Über 9 Milliarden Getränkekartons werden in Deutschland pro Jahr verkauft – als Wellpappe und Energieträger kehren sie in den Kreislauf zurück. Auch für Kunststoff-Metall-Verbunde werden neue Verfahren entwickelt.

PDF mit Hintergrundinformationen von Trendstadt Berlin

BMW beschwört den Geist aus der PET-Flasche

„Wer einen BMW i3 fährt, sitzt womöglich auf recycelten Plastikflaschen. Was wie eine billige Lösung klingt, dient dem Umweltschutz:

Ein Familienunternehmen aus Mönchengladbach spinnt den ökologisch korrekten Faden aus der Flasche.“

Online-Artikel von Spiegel Online

Plastikflaschen aus Meermüll

100 % recycelt, davon 10 % Plastik aus dem Meer – 1 Unternehmen fischt altes Plastik aus dem Meer und nutzt es erneut.

Online-Artikel

Urban-Mining: Der Mehrwert aus der Mülltonne

Radiobeitrag von Deutschlandradio Kultur

Vom Abfall zum Wertstoffreservoir: Verpackungen im Wandel

Studie der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. (PDF)

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz - KrW-/AbfG

Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen.

Der Gesetzestext als PDF

Wie funktioniert Recycling?

Infoseiten des Duales Systems

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